Wie verkoste ich professionell und richtig?

Professionell verkosten Schritt für Schritt

In dieser „Schritt für Schritt“-Anleitung erfahrt Ihr, wie Ihr Rum professionell verkostet.

Whisk(e)y ist eine äußerst komplexe und facettenreiche Spirituose mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Aromen. Um in einer professionellen Verkostung – ob Whisk(e)y, Rum, Cognac oder sonstiges – jedes Detail zu schmecken, benötigt es Übung und Zeit, Deine sensorischen Eigenschaften zu schärfen. Wahrscheinlich dauert es Wochen oder gar Monate, bis Du eine gewisse Übung darin hast, das Bouquet eines z.B. Whisk(e)ys zu entschlüsseln. Wenn Du aber nach einer Zeit ein paar unterschiedliche Whisk(e)ys verkostet hast, wirst Du merken, wie Dein Geschmacks- und Geruchssinn immer feiner wird.

Bei einer Verkostung geht es nicht darum, so viel wie möglich zu trinken, sondern vorrangig um die Analyse der Spirituose.

Um richtig und vollständig analysieren zu können, bedarf es aller Deiner 4 hieran beteiligten Sinne:

  • Sehen

  • Riechen

  • Schmecken

  • Fühlen

Um sich auch später noch an alle Verkostungsdetails erinnern zu können, ist es ratsam, die Verkostung schriftlich festzuhalten. Diese kann Euch auch dazu dienen, die Entwicklung der Verkostungsspirituose zu beobachten – wie sich die Spirituose im Laufe der Zeit und unter Einfluss des Sauerstoffs entwickelt. So entsteht im Laufe der Zeit eine Art „Datenbank“ für Eure Verkostungen.

Weiterhin bedarf eine professionelle Verkostung gewisser Rahmenbedingungen. Für eine entsprechende Verkostung bedarf es Zeit und neutrale Rahmenbedingungen, wie:

  • Helles Tageslicht

  • Fenster nach Norden

  • Weiße, saubere Tischwäsche

  • Keine störenden Nebengerüche

  • Störungsfreie Umgebung

Wichtig!!! Störende Nebengerüche, wie z.B. Parfüm, Raumduft, Rasierwasser o.ä. beeinträchtigen Eure Sinne und das zu verkostende Gut. Weiterhin fördert eine störungsfreie Umgebung Eure Konzentration.

Die Verkostung kann in 5 Schritte unterteilt werden.

Für eine professionelle Whisky-Verkostung solltest Du, wie bei allen anderen hochwertigen Spirituosen auch, ein spezielles Glas verwenden. Diese Gläser nennt man „Nosing Gläser“. Sie sind so geformt, dass sich die Aromen einer Spirituose perfekt entfalten können und im Glas gebündelt werden.

Doch auf die Gläser unterliegen wichtigen Voraussetzungen:

  • Vollkommen sauber, trocken und poliert

  • Ausschließlich mit heißem Wasser ausgespült

  • Zur Nase hin verjüngt

Die vorherige, umfassende Reinigung sowie das Spülen des Glases dient vorrangig dazu, Staub und „Schrankgeruch“ sowie ggf. Fremdaromen im Glase zu entfernen, die eventuell den Geruch und Geschmack des Verkostungsguts verfremden könnten. Nach dem Einschenken solltest Du das Glas samt Inhalt leicht schräg halten und leicht schwenken, so dass nahezu das gesamte Innenglas mit Verkostungsgut benetzt ist.

Bei einer professionellen Verkostung geht es im nächsten Schritt noch nicht gleich darum, das Verkostungsgut zu trinken. Zunächst begutachtest Du die Farbe sowie die Textur oder auch Viskosität von Whisky, Rum & Co.

Die Farbe, gerade bei Whisky und Rum, kann Dir sehr viele Informationen über die Lagerung geben. Grundsätzlich gilt die Regel: „Je länger ein Whisky/Rum im Holzfass reifen durfte, desto dunkler ist seine Farbe!“.

So zumindest die Theorie mit der Voraussetzung, dass der Whisky/der Rum in einem Holzfass gelagert wurde. Wenn der Whisky/der Rum ein Wood-Finish erfahren hat, dass heißt er wurde am Ende der Lagerung noch einmal in spezielle Holzfässer gefüllt, in denen zuvor z.B. Sherry oder Rotwein lagerte, kann man die Regel genauso vernachlässigen, wie wenn die Spirituose z.B. mit Zuckercouleur eine Färbung erfahren hat.

Denn durch eine Lagerung in unterschiedlichen Holzfässern, mit ebenso unterschiedlicher Vorbelegung, ändert sich die Farbe des Whiskys oder Rums ziemlich stark. Insbesondere bei einer Lagerung im Rotweinfass, nimmt z.B. der Rum den Farbstoff des Weines auf. Dadurch können feuerrote bis dunkellila leuchtende Ergebnisse entstehen. Ein weiteres Indiz für eine lange Lagerung ist jedoch die Textur oder Viskosität des Whiskys/des Rums. Ist er zum Beispiel sehr flüssig und läuft nach dem Schwenken im Glas zügig an der Glaswand herab, war die Lagerzeit eher gering. Bleibt die Glaswand jedoch mit einem leichten Film benetzt, hat die Spirituose eine dichtere Textur bzw. eine höhere Viskosität, was für eine längere Lagerzeit spricht.

Und warum sind die Farbe sowie die Textur/Viskosität mit den Rückschlüssen auf die Lagerzeit so wichtig? Die Antwort hierauf fällt recht einfach aus…Du kannst Dich bereits vor dem ersten Schluck darauf einstellen, wie der Rum oder der Whisky schmecken wird.

Farbveränderungen erkennst Du meist am Besten am Glasrand!

Auch bei Schritt 3 gilt: „Gut Ding will Weile haben!“ oder „Mit Geduld kommst Du viel weiter!“. Bevor Du zum ersten Schluck ansetzt, solltest Du dem Whisky/dem Rum Zeit zum Atmen geben. Bei einer professionellen Verkostung ist es wichtig, dass die Spirituose alle seine Aromen entfalten kann. 1-2 Minuten, vor dem ersten Schluck, sind vollkommen ausreichend, dass sich die ersten Aromen entfalten konnten. Außerdem füllt sich der Bauch des Nosing Glases mit Aromen, die dann gebündelt werden und Dir den nächsten Schritt bei der Verkostung erleichtern. Denn auch im nächsten Schritt geht es leider noch nicht um Trinken und Schmecken.

In der Zeit zum Atmen liegt auch der Grund für die zum Tasting benötigt Zeit. Je mehr Sauerstoff mit der Zeit an das Verkostungsgut kommt, desto mehr Aromen können sich entfalten. Daher ist es von enormer Bedeutung, dass Ihr Euch für eine professionelle Verkostung ausreichend Zeit nehmt. Nur so könnt Ihr die volle Bandbreite der Aromen erleben.

Schwenke den Whisky erneut, diesmal jedoch vor Deiner Nase. Dabei kannst Du schon eine Vielzahl von Aromen analysieren. Durch das Schwenken im Glas setzt man die verschiedensten Aromastoffe im Glas frei. Außerdem frischt der Sauerstoff der Luft die Spirituose auf und bringt ihn so in einen optimalen Trinkzustand. Probiere dabei unterschiedliche Techniken des Einatmens aus.

Zum Beispiel mit geschlossenem und offenem Mund oder stoßartig, also 2-3 Züge schnell hintereinander weg. Mit etwas Übung und Training wirst Du durch diese verschiedenen Atemtechniken, unterschiedliche Aromen feststellen können.

Nun hast Du es endlich geschafft! …uns es Dir natürlich auch verdient. Beim letzten Schritt geht es nun, um das Schmecken der Aromen. Nehme dafür einen Schluck in den Mund, achte aber dabei noch nicht zu sehr auf die Aromen, die sich in Deinem Mund breit machen. Zunächst einmal wird Dir der erste Eindruck eher „scharf“ als aromareich vorkommen. Das liegt eben am Alkohol, den so eine Spirituose mit sich bringt. Lasse den Schluck im Mund kreisen, sodass alle Bereiche Deines Mundes und Gaumens mit der Spirituose in Berührung kommen.

Geschmackszonen der Zunge

Geschmackszonen der Zunge

Wie bei Wein, entfalten sich auch bei Whisk(e)y und Rum Aromen in Kombination mit anderen Lebens- & Genussmitteln. Probiert daher in weiteren Verkostungen gerne auch das Destillat in Verbindung mit z.B.

  • Zigarren

  • verschiedenen Käsesorten

  • Schokoladen mit verschiedenem Kakao-Anteil

  • mit verschiedenen Dessert wie z.B. Crème brûlée oder gebackenem

Das Destillat wird sich in solchen Kombinationen noch von ganz anderen Seiten und Aromen zeigen, wie im Urzustand. Begebt Euch auf eine Reise ins Land und die Vielfältigkeit der Aromen. Ihr werdet das Destillat immer wieder neu entdecken.

Auch der Nachhall, der sogenannte Abgang, also die Aromen, die Du nach dem Du die Spirituose geschluckt hast, sind von großer Bedeutung. Wie lange bleiben die Aromen an Deinem Gaumen haften? Sind diese Aromen eher flüchtiger oder noch stark vertreten? Man spricht hier von kurzen, mittellangen oder langen Abgängen.

Fazit

Diese Anleitung soll Dir zum einen helfen, einen Whisk(e)y/einen Rum tiefgründiger zu genießen, aber auch deinen Gaumen für die enorm vielfältigen Aromen von Spirituosen zu schulen. Vielleicht findest Du es ja genauso spannend wie ich, die fast grenzenlose Vielfalt der Aromen eines Whisk(e)ys oder eines Rums heraus zu kitzeln und zu analysieren. Denn die Vielzahl offensichtlicher und versteckter Aromen ist das schönste am Genuss von Spirituosen.

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