Zuckerrohr

Zuckerrohr

Zuckerrohr

Quelle: Wikipedia, Public Domain

Rum wird in der Regel auf Basis von Zuckerrohr gewonnen. Das Zuckerrohr bildet somit die wichtigste Grundlage zur Herstellung von Rum. Grund genug, sich als Rumliebhaber dieser Pflanze aus der Familie der Süßgräser ein wenig zu widmen.

Die Zuckerrohrpflanze ist eine der 12 verschiedenen Arten der Gattung Saccharum. Zuckerrohr (botanisch Saccharum officinarum) gehört zu der Familie der Süßgräser (botanisch Poaceae). Süßgräser sind weilt weit in allen Klimazonen vertreten und umfassen ungefähr 9000 verschiedene Arten. Typische Vertreter neben dem Zuckerrohr sind beispielsweise Getreidesorten wie Gerste und Hafer, aber auch Reis, Bambus und Mais.

Im Vergleich zu anderen Pflanzen aus der Gattung der Süßgräser ähnelt Zuckerrohr am ehesten dem Bambus. Die Zuckerrohrpflanze wird bis zu 5m hoch und ihre, je nach Sorte, grünlich bis bräunlichen Halme können einen Durchmesser von bis zu 5cm erreichen. Die Halme bestehen aus 10 bis 40 Zwischenstücken, den Internodien, die auf 2/3 ihrer Länge aus süßem Mark bestehen. Dieses Mark ist der, aus wirtschaftlicher Sicht, interessanteste Teil der Pflanze. Die Blätter des Zuckerrohrs können bis zu 2 Meter lang werden. Die Blüten sind behaart und stehen in dichten Rispen beisammen. Das Zuckerrohr ist eine einkeimblättrige Pflanze und kann ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen.

Zuckerrohr und Rum

Man muss sich darüber im klaren sein, dass der Zuckerrohr fast ausschließlich zur Zuckergewinnung dient und die Melasse zur Rumherstellung lediglich ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung ist. Zuckerrohr zur alleinigen und direkten Rumproduktion wird nur in ganz wenigen Fällen angebaut und dann in der Regel auch nur, um Rum aus frischem Zuckerrohrsaft herstellen zu können.

Dennoch hat der Zuckerrohr Einfluss auf den Rum. Von Region zu Region werden zahlreiche, unterschiedliche Arten des Zuckerrohrs angebaut. Aber auch auf einer Plantage werden meist mehrere Sorten angebaut. Zudem wird der Zuckergehalt durch Klima und Bodenart beeinflusst.

Die Geschichte der „Melasse“...

Die Entscheidung Zuckerrohrsaft oder Melasse als Grundstoff zur Gewinnung von Rum einzusetzen ist eine von vielen wichtigen Entscheidungen bei der Herstellung von Rum. Früher wurde Rum fast ausschließlich aus Melasse hergestellt. Erst mit dem Niedergang der Zuckerproduktion aus Zuckerrohr aufgrund der Zuckerproduktion aus Zuckerrüben in Europa kam es verstärkt zur Herstellung von Rum aus Zuckerrohrsaft, da Melasse als Abfallprodukt der Zuckerproduktion nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung stand.

Rumherstellung

Rum – wahrscheinlich vom englischen Dialektwort „rumbullion“; dt. für „Aufruhr, Tumult“ abgeleitet – ist ein alkoholisches Getränk. Er wird aus Melasse, selten aus frischem Zuckerrohrsaft gewonnen. Der Mindestalkoholgehalt von Rum beträngt 37,5 Vol.-%.

Rum wird in der Karibik, in Mittelamerika, Südamerika sowie den Philippinen, Australien, Madagaskar, Mauritius, Indien, Réunion, den Kanaren, Kap Verde und in einigen anderen Ländern produziert.

In Deutschland und Skandinavien beruht die frühe Popularität von Rum auf den starken Handelsaktivitäten der sogenannten Westindienflotte, die ihren Sitz im 18. Jahrhundert in der früher dänischen Rumhandelsstadt Flensburg hatte und durch Handelsschiffe Rum aus der Karibik und speziell von den Jungferninseln nach Europa importierte.

Die Geschichte des Zuckerrohr...

Die Ursprünge des Zuckerrohrs werden in Südostasien vermutet. Häuft genannt werden in diesem Zusammenhang die Länder Indien, China, Polynesien und Neuguinea. Von Südostasien aus trat das Zuckerrohr seine Reise durch die Welt an. Bereits vor über 10.000 Jahren wurde Zuckerrohr in Südostasien domestiziert, sprich auf den heutigen Stand der Art „kultiviert“.

Zucker und vergorene zuckerhaltige Getränke wurden erstmals um 350 v. Chr. in Indien aus Zuckerrohr hergestellt. Im 7. Jahrhundert n. Chr. kam das Zuckerrohr schließlich durch die Mauren nach Europa und um diese Zeit wurde auch Zucker in Europa produziert. Um 1450 n. Chr. wurde Zuckerrohr auf den Kanaren sowie Madeira angebaut, bevor das Zuckerrohr Ende des 15. Jahrhunderts seine Reise in die „neue Welt“ angetreten hat. Durch die dort entstehende Plantagenwirtschaft mit all ihren negativen Erscheinungsbildern, wie z.B. der Sklavenhandel, wurde immer mehr Zuckerrohr angebaut und natürlich auch immer mehr Zucker und entsprechend Rum produziert.

Die Ära des Zuckerrohrs endete 1887. In diesem Jahr erfand Franz Karl Achard ein Verfahren zur Herstellung von Zucker aus Zuckerrüben. Damit nahm insbesondere in Europa die Bedeutung des Zuckerrohrs zur Herstellung von Zucker stark ab. Dies ist, obwohl Rohrzucker auf dem Weltmarkt sehr günstig ist, auch heute noch der Fall, da Rohrzucker aufgrund hoher Einfuhrzölle in der EU nicht mit dem Rübenzucker konkurrieren kann.

Ungefähr 55 Prozent der weltweiten Zuckerproduktion werden heute durch Zuckerrohr gedeckt. Dies entspricht schätzungsweise 65 Millionen Tonnen Zucker jedes Jahr. Die restlichen 45 Prozent werden entsprechend aus Zuckerrüben hergestellt.

Vom Zuckerrohr zur Melasse

Rum kann entweder aus frischem Zuckerrohrsaft oder aus sogenannter Melasse hergestellt werden. Rum aus frischem Zuckerrohrsaft hat seinen Ursprung meist auf einer französisch geprägten Karibikinsel. Man spricht dann von „Rhum agricole“. In den meisten rumproduzierenden Ländern wird der Rum hingegen aus Melasse hergestellt. Man spricht hier von einem „Rhum industriel“.

Der Zuckerrohrsaft

Nach der Ernte führt der Weg des Zuckerrohrs umgehend zur Zuckermühle beziehungsweise zur Zuckerfabrik, da nach der Ernte der Zuckergehalt abnimmt. Davor werden bereits auf dem Feld alle Blätter entfernt, so dass nur die wirtschaftlich interessanten Stängel für die Zuckerproduktion übrig bleiben.

In der Zuckerfabrik angekommen werden die Stängel des Zuckerrohrs für die weitere Verarbeitung erst einmal in kleine Stücke zerhackt. Im nächsten Arbeitsschritt wird der Zuckerrohrsaft gewonnen. Dies geschieht in der Regel durch das Auspressen der zerhackten Zuckerrohrstängel. Bevor der ausgepresste Saft weiterverarbeitet werden kann, wird er einer einfachen Reinigung unterzogen, um Schwebeteilchen zu entfernen. Nach dem Pressen der Zuckerrohrhalme bleibt neben dem Zuckerrohrsaft die Bagasse – die faserigen Anteile des Zuckerrohrs – übrig. Diese kann getrocknet als Energielieferant für die Zuckermühle eingesetzt werden. Der nun vorliegende Zuckerrohrsaft ist bereits der Ausgangspunkt für die Produktion von „Rhum agricole“.

Melasse

Melasse

Melasse

Quelle: Wikipedia, Public Domain

Der „Rhum industriel“ hingegen wird aus Melasse hergestellt, die eigentlich als Abfallprodukt der Zuckerherstellung anfällt. Zur Zuckerproduktion wird der gewonnene Zuckerrohrsaft im nächsten Schritt zu einer sirupartigen Masse eingekocht. Durch weiteres Einkochen des Sirups unter Unterdruck bilden sich dann die Zuckerkristalle, welche vom Sirup – in einem weiteren Arbeitsschritt – getrennt werden. Dieser Vorgang wird mehrfach wiederholt. Nach Abschluss dieses Prozesses bleiben zwei Dinge zurück: der kristallisierte Zucker, sowie als „Abfallprodukt“ die sogenannte „Melasse“. Die „Melasse“, eine braune, klebrige Masse, besitzt aber immer noch einen hohen Zuckeranteil, aber dieser Zuckeranteil kann nicht mehr oder nur noch unter unrentablen Bedingungen kristallisiert werden. Diese „Melasse“ dient als Ausgangspunkt zur Gewinnung des „Rhum industriel“.

Vom Zuckerrohr zum Zucker...

Bei der Verwertung von Zuckerrohr sind lediglich die Halme von Interesse. Der Zuckergehalt von Zuckerrohr beträgt in der Regel zwischen 17 – 20 %. Die Vermehrung von Zuckerrohr geschieht durch Triebe aus den Wurzeln.

Warum aber besteht Zuckerrohr unter anderem aus Zucker? Die meisten Pflanzen lagern Saccharose in Form von Stärke ein. Zuckerrohr, und übrigens auch Zuckerrüben, produzieren jedoch sehr viel Saccharose und lagern diese unverändert in ihren Zellen ein. Da der Zucker in den Stängeln zu finden ist, werden auch nur diese, nicht aber die Blätter zur Weiterverarbeitung herangezogen.

Der Anbau...

Zuckerrohr wächst in vielen tropischen und subtropischen Gebieten der Erde, wie beispielsweise Südamerika und der Karibik, aber auch in Südostasien, wie beispielsweise in Indien, China oder Thailand. Voraussetzungen für ein gutes Wachstum sind Temperaturen von 25 – 28 °C und regenreiche Sommer. Unter diesen Bedingungen gedeiht Zuckerrohr sehr gut und kann nach wenigen Monaten geerntet werden.

Der eigentliche Anbau von Zuckerrohr geschieht über Stecklinge. Diese werden in Reihen auf den Plantagen gepflanzt und treiben nach wenigen Tagen aus, so dass neue Halme entstehen. Je nach Klima kann nach 10 bis 20 Monaten geerntet werden. Einige Zuckerrohrsorten können nur noch ausschließlich über Stecklinge vermehrt werden, da sie keinen fruchtbaren Samen mehr bilden.

Die Ernte des Zuckerrohrs ist auch heute noch eine sehr mühsame Aufgabe. Meist wird dieser noch von Hand geerntet. In manchen Gegenden werden die Zuckerrohrfelder auch abgebrannt, da, wie wir ja bereits wissen, aus wirtschaftlicher Sicht nur die Halme, nicht jedoch die Blätter interessant sind und so, die anschließende Ernte vereinfacht wird. Diese Vorgehensweise ist jedoch – zumindest aus ökologischer Sicht – äußerst bedenklich. Eine weitere Alternative sind Erntemaschinen, die aber noch eher selten eingesetzt werden. Das Zuckerrohr treibt nach der Ernte erneut aus, so dass nach ungefähr einem weiteren Jahr die nächste Ernte durchgeführt werden kann. Die Nutzungsdauer der einzelnen Pflanzen beträgt, je nach Region, 2 bis 5 Schnitte.

Probleme...

Auch heute ist auf vielen karibischen Inseln trotz des eigenen Anbaus von Zuckerrohr oftmals nicht ausreichend Melasse zur Rumherstellung verfügbar. In diesem Fall wird Melasse vom südamerikanischen Festland, vorwiegend aus Brasilien und Venezuela, importiert.

Ein weiteres Problem beim Einsatz von Melasse sind die immer besseren Produktionsverfahren zur Kristallisierung von Zucker. Damit kann zwar mehr Zucker gewonnen werden, aber gleichzeitig sinkt der Zuckergehalt der Melasse. Dies wiederum verringert den Alkoholgehalt, den man aus der Melasse gewinnen kann, so dass eine größere Menge von Melasse benötigt wird, um die gleich Menge Rum zu produzieren.

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