Tierpark Arth Goldau, Schweiz

In dem kleinen Örtchen Goldau in der Schweiz, ist einer der beeindruckendsten und mit einer der schönsten Tierparks, die ich bislang besuchen durfte. Dies liegt sehr wahrscheinlich mit daran, dass man diesen Park nicht irgendwo in die Natur gebaut hat, weil man eben dort einen Tierpark haben wollte, sondern daran, dass dieser Tierpark die authentische Natur und deren Geschichte darstellt.

Um die Entstehung des Tierparks und seinen ganz eigenen Charme verständlich machen zu können, müssen wir zurückreisen in das Jahr 1806, in das kleine Dörfchen Goldau in der Schweiz.

Geschichte des Tierparks

Der Rossberg nach dem Bergsturz

Das damalige Dorf Goldau war ein malerisches, kleines Schweizer Dorfidyll, umrahmt von Bergen und Wiesen. Die ersten Anzeichen für eine der größten Katastrophen der Schweizer Geschichte begannen bereits 30 Jahre zuvor durch charakteristische Anzeichen, wie eine zunehmende Rissbildung am Goldauer Hausberg - dem Rossberg, sowie Steinrollen, knallendem Reißen gesprengter Wurzeln, die Bildung wassergefüllter offener Spalten sowie donnernder Geräusche.

Obwohl damals eigentlich schon jeder Einwohner damit rechnete, dass irgendetwas großes passieren würde, zogen nur fünf Menschen die Konsequenzen und verließen das Dorf.

Nach den besonders Niederschlagsreichen Jahren 1799, 1804 und 1805, einem feuchten Frühjahr und August des Jahres 1806, erfolgte dann am 2. September 1806 schließlich die - neben dem Basler Erdbeben - bis dato größte Katastrophe der Schweizer Geschichte.

An der Südflanke des Rossberges im Kanton Schwyz setzen sich knapp 40 Millionen Kubikmeter Nagelfluhgestein von der Gnipenspitze auf einer circa 20° talwärts geneigten Gleitbahn über stark durchfeuchteten tonigen Zwischenschichten in Bewegung und stürzten ca. 1000 Meter ins Tal hinab. Der Bergrutsch breitete sich nach Unten hin fächerförmig aus, brandete an der gegenüberliegenden Rigikette hundert Meter empor, überschüttete insgesamt eine Fläche von rund 6,5 km²; und zerstörte die Dörfer Goldau, Röthen, sowie Teile von Buosingen und Lauerz.

457 Menschen kamen ums Leben, über 100 Häuser, 220 Ställe und Scheunen sowie zwei Kirchen und zwei Kapellen wurden zerstört. Die Dörfer Goldau und Röthen waren verschwunden, und der Lauerzersee verkleinerte sich um ein Siebtel seiner ursprünglichen Fläche. Augenzeugen berichteten damals, der Bergsturz habe eine 20 Meter hohe Flutwelle ausgelöst. Die über den Dörfern befindliche Schuttschicht wird, je nach Standort, auf 10 bis 50 Meter festgelegt.

Die Bilanz nach dem Unglück ist erschreckend: 457 tödlich verunglückte, 323 Stück getötetes Vieh, 111 verschüttete Wohnhäuser, 220 zerstörte Scheunen und Ställe, 4 verschüttete Kirchen und Kapellen.

Erste Zeitungsmeldungen

Die Neue Zürcher Zeitung vom 9. September 1806 berichtete wie folgt: „Schwyz, 5. Sept. Der 2. Sept. war für den Bezirk Schwyz ein trauriger, jammervoller Tag. Nach einem vier und zwanzig stündigen außerordentlich heftigen Platzregen borstete um 5.00 Uhr abends an dem Berge Spitzebüol, ob dem Dorfe Röthen, dessen oberste Felsenspitze. Zugleich trennte sich, durch unterirdisches Wasser von dem Kern des Berges gelöset, eine ungeheure bey 300 Ellen tiefe Erdmasse in einer Breite von 100 Fuß vom Gebürg.

Diese fürchterliche Errdlauwe, riss Wohnungen, Menschen und Vieh mit sich, über den Rücken des Bergs, und stürzte mit unbeschreiblicher Gewalt in das unten gelegene Thal. Viele Centnerschwere Steine vor sich her durch die Luft auf eine unglaubliche Weite schleudernd, trieb der viele Ellen hohe Erdstrom mit Blitzesschnelle über die eine Stund breite, fruchtbare und mit Wohnungen übersäete Ebene an den gegenüber liegenden Rigi-Berg, drückte den Schutt mehrere tausend Fuß hoch den Berg hinauf, zersprengte da die dickesten Bäume in Splitter, weit herum alles verheerend und überschüttend.

Ein kleiner Theil der schrecklichen Masse hatte schon beym Anbruche eine von der Hauptmasse verschiedene Richtung genommen; diese drehte sich links, wälzte sich aufwärts gegen den Lauwerzer-See, trieb ihn aus seinem Bethe, und nöthigte die Fluth 150 Schuh hoch über das zu springen. Die Gewalt des Wassers riss alle Gebäude rings um den See mit sich fort, zerstörte die Landstrasse, und bedeckte den See mit Trümmern und Ruinen.

Es verschüttete dieses grässliche Ereignis in 5 Minuten eine der nutzbarsten und schönsten Gegenden des Bezirks von Lowerz bis Ober-Art, eine Stunde breit und eine Stunde lang. Die herrlichsten Wiesengüter, vier beträchtliche Ortschaften, Lowerz, Busingen, Goldau und Röthen, unzählige zerstreute Wohnungen und Höfe, über 1.000 Menschen, und eine unsägliche Menge Vieh liegen unter vielen Ellen hohem Schutte begraben. Man kennt den Platz nicht mehr, wo dieser oder jener Ort gestanden, und quer durch die Mitte des verwüsteten Stück Landes steht ein ganz neuer Berg von beträchtlicher Höhe da.

Unbekannt ist noch die Zahl der Reisenden, welche gerade in dieser unseligen Stunde auf der stark besuchten Landstraße wanderten, und das grauenvolle Schicksal der Einwohner theilten.

So vereinen sich in einem Zeitraum von acht Jahren alle möglichen Drangsale über die armen Schwyzer; und in einem ihrer Thäler musste sich, nach 200 Jahren, die trauervolle Scene des Flecken Plurs erneuern, welches am 4. Sept. 1618, auf ähnliche Weise seinen Untergang fand.“ Neue Zürcher Zeitung, 9. September 1806, NR. 72

Untersuchungen des Bergsturzes ergaben, dass es sich beim Rossberg um ein Felssturzgebiet handelte. Dieses besteht aus Nagelfluhbänken, welche rutschten, weil der darunterliegende verwitterte Mergel nicht mehr haftete. Auslöser hierfür waren heftige Regenfälle in den Vorjahren.

Die Ortschaft Goldau wurde auf dem Schuttkegel wiederaufgebaut. Nachdem die ersten Durchgangsstraßen wieder erstellt waren, entstand bei den Bewohnern am Rande des Schuttgebiets der Wunsch nach einer Kapelle. Man entschied sich sinnvollerweise, zunächst, ein Mehrzweckgebäude zu bauen. Das Pfrundhaus wurde 1808 - 1811 errichtet. Dann folgte das Gasthaus Rössli, welches heute noch unter dem gleichen Namen geführt wird. Die wirkliche Wiederauferstehung hat Goldau aber der Gotthardbahn zu verdanken, welche viele Arbeiter und Touristen anlockte.

Bei den Bauarbeiten des wachsenden Dorfes entdeckte man immer wieder Fundstücke. Diese wurden von Edwin Simon sel. gesammelt und schließlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Das Bergsturzmuseum konnte 1966 neben dem Eingang des Tierparks eröffnet werden. Gibt es wieder einen Bergsturz, lautet nun die Frage, mit welcher die Goldauer immer wieder konfrontiert werden. Ja, muss die Antwort lauten. Der geologische Aufbau des Rossbergs wird immer wieder zu Bergstürzen führen. Das Unwetter im August 2005 hat uns dies vor Augen geführt, als am Rossberg an mehreren Stellen Murgänge niedergingen.

Im Gegensatz zu früher verfügt die Gemeinde Arth heute jedoch über einen ausgezeichneten Gemeindeführungsstab, welcher in Katastrophenfällen in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Evakuationen einleitet. So musste im August 2005 kein einziges Menschenleben beklagt werden. Zusammen mit dem Kanton stellt die Gemeinde Arth die ständige Überwachung des Rossbergs sicher.

Anlässlich des 200. Jahrestages wurde im Jahre 2006 die Bergsturzspur erstellt, eine ca. vierstündige Wanderung durch das Bergsturzgebiet. Alljährlich am 2. September, nachmittags um fünf Uhr, läutet die große Glocke der Pfarrkirche von Goldau. Damit wird an die schreckliche Naturkatastrophe des Bergrutsches erinnert, die binnen weniger Minuten durch gigantische Schuttmassen, das Tal zwischen Rigi und Rossberg verschüttete.

Im Bergsturzgebiet, inmitten von gewaltigen Felsblöcken, in Sichtweite des Rossberges und der ehemaligen Bergspitze entstand der Tierpark Arth Goldau. Als Natur- und Tierpark Goldau entstand ein beliebtes Ausflugsziel. Der Tierpark fügt sich in die Gegebenheiten der Natur. Riesige Felsblöcke als Monumente des Bergsturzes, eine zerklüftete Naturlandschaft inmitten der heute nach wie vor genauso wunderschönen Landschaft des Kanton Schwyz machen aus dem Tierpark etwas ganz Besonderes. Hier erkennt man an jeder Ecke des Parks, dass sich dieser an die Natur anpasst und nicht einfach in die Natur hineingebaut wurde.

Die im Park lebenden Tiere haben sich an die Gegebenheiten des Parks angepasst und sind nur selten durch Zäune von den Besuchern getrennt. Die Besucher des Parks müssen - bauartbedingt - gut zu Fuß und bei guter Kondition sein. Ebene Wege zum langweiligen bummeln sucht man hier vergebens...ich möchte es nicht als bergsteigen bezeichnen, aber man sollte dennoch bei guter Kondition sein.

http://www.tierpark.ch/besucherinfo/

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