Geschichte

Im Europa des 15. Jahrhunderts war Rum zwar bekannt, denn nachdem die Christen Granada erobert hatten, kannten sie das Getränk, sie waren aber nicht in der Lage, den süßen Saft aus der Melasse des Zuckerrohrs herzustellen, weil ihnen im Gegensatz zu den Arabern das Zuckerrohr noch unbekannt war. Christoph Columbus hatte die Pflanze auf seiner zweiten Reise nach Amerika (1493) auf Hispaniola eingeführt. Dem widerspricht das Tagebuch Pizarros, der in diesem Jahr in der bestehenden Zuckerrohrernte/Rumherstellung bei Motril arbeitete. Erst sehr viel später sollte die damals einzige zuckerliefernde Pflanze ihre Reise nach Brasilien und in die um 1500 neugewonnenen Kolonien der Europäer beginnen und dort Fuß fassen. Man kam schnell auf die Idee, daraus Rum zu bereiten. Die erste urkundliche Erwähnung fand das Getränk um 1650 als „rumbullion“ (engl. etwa: großer Tumult) sowie am 8. Juli 1661 vom Gouverneur von Jamaica. Bereits 1667 wurde dieses Getränk „ron“ (kastilisch) bzw. „rhum“ (französisch) genannt.

Besonderheiten

  • Rhum agricole wird Rum genannt, der auf den französischen Antillen hergestellt wird. Er unterscheidet sich von normalem Rum vorrangig durch seine Herstellung aus frischem Zuckerrohrsaft. Diverse weitere Hersteller benutzen ebenso dieses Verfahren, z. B. Ron Botran oder Ron Zacapa aus Guatemala.

  • Martinique-Rum: Für das Departement gibt es das Décret vom 5. November 1996, nach dem ein „Rhum Vieux Agricole“ mit Appellation d’Origine Contrôlée (AOC) hergestellt werden kann. Folgende Qualitätsstufen sind festgelegt:

    Weißer Rum (Rhum Agricole AOC blanc) muss mindestens 3 Monate in Edelstahlfässern gelagert werden, um Sauerstoff aufzunehmen und um sich zu homogenisieren.

    AOC (rhum paille oder rhum ambré) muss mindestens 1 Jahr in Eichenfässern lagern.

    Mindestens drei Jahre gelagerter Rum wird "alter Rum" (rhum vieux agricole) genannt. Es gibt folgende drei Qualitätsstufen:

    VO mindestens 3 Jahre in Eichenfässern gelagert

    VSOP mindestens 4 Jahre in Eichenfässern gelagert

    XO mindestens 6 Jahre in Eichenfässern gelagert.

Darüber hinaus gibt es Rum "hors d'age", der meistens 10 Jahre und länger gelagert ist. Eine Flasche Rum dieser Jahrgangssorten kann leicht mehrere 100 € kosten. Die verschiedenen Destillerien verwenden Fässer unterschiedlicher Provenienz, teilweise neue Fässer, teilweise solche in denen früher Bourbon Whiskey in den USA gereift wurde oder alte Bordeaux- und Cognacfässer. Dadurch erhält der Rum aus verschiedenen Destillerien verschiedene Geschmacksnoten.

Rum

Rum – wahrscheinlich vom englischen Dialektwort „rumbullion“; dt. für „Aufruhr, Tumult“ abgeleitet – ist ein alkoholisches Getränk. Er wird aus Melasse, selten aus frischem Zuckerrohrsaft gewonnen. Der Mindestalkoholgehalt von Rum beträngt 37,5 Vol.-%.

Rum wird in der Karibik, in Mittelamerika, Südamerika sowie den Philippinen, Australien, Madagaskar, Mauritius, Indien, Réunion, den Kanaren, Kap Verde und in einigen anderen Ländern produziert.

In Deutschland und Skandinavien beruht die frühe Popularität von Rum auf den starken Handelsaktivitäten der sogenannten Westindienflotte, die ihren Sitz im 18. Jahrhundert in der früher dänischen Rumhandelsstadt Flensburg hatte und durch Handelsschiffe Rum aus der Karibik und speziell von den Jungferninseln nach Europa importierte.

Herstellung

Ein Gemisch von Melasse (bei industriellem Rum) oder gehäckseltem Zuckerrohr, Zuckerrohrsaft und Wasser ergibt die Maische. Diese Maische wird fermentiert und damit zur Gärung gebracht und hat danach einen Alkoholgehalt von etwa 4 % bis 5 %. Dieser Zuckerwein wird destilliert. Das Destillat hat dann einen Alkoholgehalt von 65 % bis 75 %. Mit destilliertem Wasser verdünnt, erhält man weißen Rum. Die eigentliche Herstellung von Rum ist damit abgeschlossen. Darüber hinaus finden häufig Lagerungen in gebrauchten Holzfässern (z. B. aus der Whiskey-Herstellung) statt, um dem Rum eine eigene Geschmacksnote zu verleihen. Um weißen Rum besserer Qualität zu erhalten, wird dieser mehrere Monate in Edelstahlfässern gelagert.

Falls der weiße Rum in Eichenfässern gelagert wird, verliert er Alkohol, nimmt Geschmacksstoffe der Fässer auf und erhält eine dunklere Farbe. Bei braunem Rum wird auch Zuckercouleur oder Karamellsirup zum Färben benutzt. Brauner Rum ist aromatisch und weist eine eher süßliche Note auf.

Im Gegensatz zum Cachaça oder zum Rhum agricole wird als Ausgangsprodukt in den meisten Fällen Melasse, nicht frischer Zuckerrohrsaft, verwendet. Verbrauchsfertig wird der Rum mit destilliertem Wasser auf meistens 40 %, 50 % oder 55 % Alkoholgehalt verdünnt.

Rumherstellung

Rumherstellung

Wer mehr über die Rumherstellung erfahren möchte, kann sich hier entsprechend tiefer informieren.

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Bezeichnungen

  • Original Rum – importiert, wird unverändert verkauft (bis zu 74 %)

  • Echter Rum – Original Rum, wird hier auf Trinkstärke (min. 37,5 %) herabgesetzt

  • Overproof Rum - Rum mit einem Alkoholgehalt über 57,15 %, wird hauptsächlich zum Mixen von Cocktails verwendet

  • Flensburger Rum-Verschnitt – Mischung aus Rum, Wasser und Neutralalkohol, die mindestens 5 % Original-Rum enthält, Alkoholgehalt mindestens 37,5 % (angewendet von Flensburger Rumhäusern wie Pott, Balle, Hansen, Asmussen, da im 18. Jahrhundert ein hoher Einfuhrzoll auf Spirituosen erhoben wurde – bis heute bei deutschen Rumhäusern gang und gäbe)

  • Kunst-Rum (in Österreich: Inländer-Rum) – mit üblicherweise 38 % eines der zahlreichen Fabrikate und in Deutschland synonym für den Inländer-Rum ist der Stroh Rum mit auch 60 % und 80 %

  • Blended Rum - Mischung verschiedener Original-Rums

  • Flavoured Rum - in entsprechendem Extraktionsverfahren aromatisierter Rum (min. 37,5 % - bei geringerem Alkoholanteil als "Spirituose - " bzw. "Likör auf Rumbasis bezeichnet [Bsp.: Cpt. Morgan Spiced Gold oder Bacardi Oak Heart]), [Bsp. für echten Flavoured Rum: Clement Orange]

  • Rhum Agricole - nur geringer Anteil an der gesamten Rumproduktion (etwa 3 %), in den französischen Überseedépartements (Réunion, Martinique, Guadeloupe) und auch auf Haiti übliche sogenannte 'landwirtschaftliche Herstellung' aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft [Bsp.: Barbancourt, Clément, Depaz, J.M., La Favorite, La Mauny, Neisson, Sainte Etienne, St. James, Trois Rivières, Isautier, Rivière du mat, Savanna]

Wie verkoste ich professionell und richtig?

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Rum ist eine äußerst komplexe und facettenreiche Spirituose mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Aromen. Um in einer professionellen Verkostung – ob Rum, Whisky, Cognac oder sonstiges – jedes Detail zu schmecken, benötigt es Übung und Zeit, Deine sensorischen Eigenschaften zu schärfen.

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Industrielle Produktion

Als die Begründer der modernen Rumherstellung gelten Don Bacardi und Felice Presto, die das Prinzip der Herstellung des weißen Rums nahezu gleichzeitig um 1850 auf den karibischen Inseln Kuba und Jamaika erfanden. Die bis 1890 bekannte Presto Destillery auf Jamaika wurde von Ureinwohnern zerstört, was den finanziellen Ruin der kleinen, aber doch weit bekannten Destillerie bedeutete. Spätere Versuche von Prestos Cousin, Gregory Nissen, die Brennerei wieder aufzubauen und sie in altem Glanze erstrahlen zu lassen, blieben erfolglos. Bacardi ist auch heute noch der weltgrößte Hersteller der Rum-Spirituose.

Qualität

Guter Rum zeichnet sich im Gegensatz zu den meisten anderen Zuckerrohrbränden durch eine lange Reifung in Holzfässern aus, ähnlich Whisky oder Cognac. Je länger das Destillat im Holzfass reift, desto abgerundeter erscheint sein aromatisches Geschmacksbild. Ein Nebeneffekt ist die erst gelbliche, dann braune Färbung, die das zunächst farblose Destillat dabei annimmt. Allerdings sollte man sich von der Farbe nicht täuschen lassen. Viele Hersteller färben ihren Rum nachträglich mehr oder weniger stark mit Zuckercouleur (z. B. Bacardi Black), um eine gleichbleibende Färbung zu garantieren. Andersherum kann auch farbloser „weißer“ Rum eine Zeit lang in Edelstahlfässern gereift sein (typisch: 6–30 Monate). Falls in Eichenfässern gereift, entziehen ihm einige Hersteller durch Filtrierung die Farbe.

  • Jamaika-Rum zeichnet sich durch einen sehr kräftigen, würzigen Geschmack aus, der manchmal als scharf empfunden wird. Minderwertige Qualitäten sind wegen dieser Geschmacksintensität pur fast nicht trinkbar und werden in der Regel mit Wasser (Grog) oder anderem Alkohol gemischt (verschnitten). Höherwertige Brände werden in Cocktails oder auch pur genossen.

  • Rum-Verschnitt beruht auf der Tradition alter Flensburger Rumhandelshäuser, den aus Dänisch-Westindien importierten Jamaika-Rum mit Monopolalkohol und Wasser auf Trinkstärke zu verschneiden. Der Jamaika-Rum war dazu besonders wegen seines intensiven Geschmacks geeignet. Flensburg gehörte lange Zeit zu Dänemark.

  • Als „Tschechischer Rum“ wurde früher ein aus Zuckerrüben gewonnener Brand bezeichnet. Nach dem EU-Beitritt Tschechiens heißt dieses Getränk nunmehr Tuzemak anstatt Rum.